Der rechte «Sektor» gegen den linken «Komplex»

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Man stellt mir ziemlich oft folgende Fragen: „Warum schreibst du über die lateinamerikanischen und die asiatischen Diktaturen? Denn sie waren ja nicht demokratisch, und oft blutig und unakzeptabel?“ oder „Wieso beschäftigst du dich mit den rechten Bewegungen der Dritten Welt, während der Diskurs von den USA und Europa bestimmt wird?“ Die Antwort ist sehr einfach, aber bedauerlicherweise ist sie heutzutage nicht mehr offensichtlich. Ich bin eine Anhängerin des amerikanischen Modells, des sogenannten cowboy capitalism. Ich kenne kein besseres Modell als Kapitalismus, freie Marktwirtschaft und Demokratie. Allerdings bestehe ich darauf, dass man auch die alternativen Modelle kennen muss. Vor allem ist es für das ganze rechtskonservative, rechtsliberale und libertäre Konzept von großer Bedeutung.

Wir verloren unser System der Autoritäten. Der rechte Diskurs ist in Stücke zerrissen und erzeugt zurzeit keine neuen Ideen. In der Basis der rechten Informationsstruktur fehlen gemeinsame Werte und Namen.

1Wenn man Menschen aus verschiedenen Ländern fragen würde, welche rechte Denker sie kennen, würden die Antworten sehr deprimierend sein. Die Amerikaner würden Reagan, West, Sowell und Friedmann nennen. Die Europäer würden sich an Wilders, Le Pen und vielleicht an ungarische Jobbik und griechische Goldene Morgendämmerung erinnern. Möglicherweise würden Manche den Thatcherismus erwähnen, und zwar mir einer Bemerkung, dass er den europäischen Werten widerspricht. Die Menschen aus der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) sehen die rechte Idee meistens als eine sozialkonservative und national orientierte Version des Sozialismus und bezeichnen Hitler und Mussolini als rechte Politiker. In einer Reihe von Ländern Lateinamerikas ist es sogar gefährlich, von rechten Werten oder dem Kapitalismus zu sprechen. Nicht nur in Bolivien und Venezuela, selbst in relativ zivilisiertem Argentinien ist das Wort „Rechter“ ein Synonym des Wortes „Faschist“.

Bedauerlicherweise gibt es ernste Gründe dafür. In den prokapitalistischen rechten Medien herrscht ein engstirniger Nationalismus. Für einen Amerikaner ist eine Veröffentlichung in Russland unmöglich, für einen Russen – in den USA. Ausnahmen gibt es, wenn man über die Probleme des Landes schreibt, wo er seine Werke veröffentlichen will. Jedes Mal, wenn ich das sehe, will ich sagen: Moment mal, und was ist mit „den ewigen Werten“ wie die freie Marktwirtschaft, die Demokratie, das Recht auf Waffen, die Meinungsfreiheit?! Ist nun die venezolanische Meinungsfreiheit weniger wichtig als die amerikanische? Oder sind die Probleme mit der Diktatur in Russland weniger wichtig als Obamas Politik? Es ist peinlich, wenn in den USA, mit deren Werten meine Generation aufgewachsen ist und die sich zum Flaggschiff der Freiheit und des Kapitalismus erklärte, man sich weigert, über die Probleme der Freiheit und des Kapitalismus in der anderen Ländern zu diskutieren.

Natürlich sind die Vorteile der kapitalistischen Idee der Individualismus und das freie Denken jedes einzelnen Trägers dieser Idee. Aber die Zersplitterung und das Fehlen einer gemeinsamen Plattform (zumindest auf der Ebene des gemeinsamen Wissens und der gemeinsamen Ideen) haben keine gute Folgen. Der ideologische Nationalismus und die Fixierung ausschließlich auf eigene Probleme sind verderblich in den modernen Verhältnissen. Sogar die Terminologie der Konservativen und der Rechtsliberalen ist zersplittert. In Europa und Russland wird ein Liberaler einem amerikanischen Republikaner gleichgestellt, während man in den USA und Israel die Liberalen als Linke bezeichnet.

Die Linken nutzen die Situation aus, indem sie die Reihen ihrer Konkurrenten noch stärker zersplittern. Sie mischen dem rechten Diskurs den Faschismus, den Stalinismus und den Nazismus bei, nur um die Anhänger des freien Marktes, des Privateigentums und der individuellen Freiheiten als Vampire und Massenmörder darzustellen. Sie verursachen eine Hysterie um jeden bedeutenden Vertreter des rechten politischen Lagers, uns ein Schuldgefühl aufzwingend. Sie bezeichnen Margaret Thatcher als „Mörderin einer Generation“, Pinochet – als „blutiger Henker“, Senator McCain – als ein Verrückter, obwohl die Zeit zeigte, dass er recht hatte. Gleichzeitig verlangen sie eine „adäquate“ Haltung gegenüber sich selbst und ihren Autoritäten. Michel Foucault kann ruhig sagen, dass es wunderbar ist, wenn die „Renault“-Arbeiter ihren Chef unter den Wagen stecken, und niemand sagt etwas dagegen. Während John McCain, der seit lange Putins Gefahr erkannte und die gemäßigten kapitalistischen Ideale vertrat, für sie ein Verrückter ist. Hitlers, Stalins, Pol Pots und Maos Hände sind bis zu den Schultern mit Blut bedeckt. Jedoch ist Pinochet aus irgendwelchen Gründen ihnen gleichgestellt, obwohl während seiner Regierungszeit 3200 Menschen getötet wurden, von denen die Meisten linke Terroristen aus MIR und ähnlichen Organisationen waren. Margaret Thatcher und Ronald Reagan, die der Gewerkschaftsmafia Grenzen setzten, nennt man Tyrannen, während die Regimen in heutigen Venezuela, Bolivien oder Weißrussland ganze politische Bewegungen verbieten oder auslöschen, die Menschen massenhaft ins Gefängnis schicken und dabei immer noch als progressiv gelten.

Ich möchte hier drei Probleme des rechten Medienbereichs erwähnen: die Sprachbarrieren, der Mangel an Interesse und die Ablehnung der eigenen Geschichte. Mit den ersten zwei ist alles klar. Das Dritte steht in einer unmittelbaren Verbindung mit der Tatsache, dass die meisten rechten Denker und Philosophen auf einer oder anderer Weise durch die linken Medien verspottet oder stigmatisiert wurden. Durch diejenigen, die Andrew Breitbart als „Komplex“ bezeichnete.

Wie können wir das Problem lösen? Die Antwort scheint mir offensichtlich zu sein: Wir müssen unseren eigenen „Komplex“ schaffen. Besonders schwer ist es nicht. Notwendig sind einige fundamentale Internetseiten, auf die der ganze sich entwickelnde rechte Diskurs zurückgreifen könnte. Und nicht der amerikanische, französische oder brasilianische Diskurs, sondern ein globaler, der für die ganze Welt universal wäre. Der Prozess muss auf verschiedenen Sprachen gestartet werden und er soll sowohl die Vergangenheit (Information, Übersetzungen usw.) als auch die Zukunft (Prognosen und objektives Weltbild) umfassen. Doch am wichtigsten ist es, den Leser dazu zu bringen, analytisch zu denken, Fragen (auch über Sachen, die klar und selbstverständlich zu sein scheinen) zu stellen und nach Beweisen und Argumenten zu suchen.

Margaret ThatcherLügen müssen wir nicht, denn unsere Autoritäten und Gründer initiierten noch keinen Völkermord, keine Massenfolter und keinen Weltkrieg. Das Verhältnis zur Macht von den Rechten und das von den Linken unterscheiden sich prinzipiell dadurch, dass die Rechten keine absolute Macht brauchen, während die Linken sie unbedingt benötigen. Für die Rechten ist die Macht ein Mittel für die Lösung der gesellschaftlichen Konflikte und für den Schutz vor den Feinden. Für die Linken ist die Macht ein Mittel zum Zweck der Verschärfung der Staatskontrolle und der Planung von allen möglichen Dingen. Die Rechten entwickeln Modelle, um zu verstehen, wie die Welt funktioniert. Die Linken entwickeln Modelle und versuchen, die Welt an sie anzupassen. Das Resultat solcher Anpassung ähnelt sich einer Vergewaltigung, wir sahen es oft genug. Die Bolschewisten, die chinesische Roten Garden, Pol Pot, Putin, europäische linke Intellektuelle, Manuel Zelaya, der linke Flügel der amerikanischen Demokraten, Chavez – sie alle haben ein gemeinsames Motiv, den Menschen nicht nur ihr Privateigentum sondern auch (was noch wichtiger ist) ihre Freiheit und ihre Meinung zu nehmen.

Selbstverständlich gibt es in jedem Land eine eigene „rechte Tradition“, die die Menschen mit patriotischem Eifer verteidigen werden. Es gibt verschiedene rechte Parteien, von sozialkonservativen bis zu libertären. Die Unterschiede sind nicht kritisch. Viel wichtiger ist, eine gemeinsame Plattform zu schaffen und auf sie zurückgreifen zu können. Das Privateigentum, die Bürgerrechte, die Demokratie, der Kapitalismus und die freie Marktwirtschaft sind das Fundament. In jedem mehr oder weniger entwickelten Land gibt es Anhänger dieser Werte. Mir scheint, es ist sinnvoll, solche Menschen mindestens virtuell zusammenzubringen. Es ist wichtig, den Menschen zu erklären: Das Wesentliche in der Politik von Thatcher, Pinochet oder Jelzin ist nicht „die Gewalt gegen Gewerkschaften“, „die Russophobie“ oder „3200 Ermordete“, sondern die wirtschaftliche und die soziale Plattform und das Resultat, das sie erreichten.

Diese allumfassende Vorgehensweise ist für die Rechten lebensnotwendig. Zu lange verzichteten wir auf unsere Projekte, unsere Geschichte und die Zusammenarbeit, zu lange hörten wir den pathetischen Reden des „Komplexes“ zu.

Das Schaffen eines neuen Fundaments benötigt einige Jahre Arbeit. Während der Zeit sollte man das Projekt in verschiedenen Ländern verwirklichen und den ununterbrochenen Informationsfluss sichern. Vor allem ist es für die „verlorenen“ Territorien: die EU, die Länder Lateinamerikas und Asiens usw..

Wenn wir den freien rechten Diskurs in diese Territorien zurückbringen, denn können wir mit Sicherheit sagen, dass die Linken verlieren werden. Es ist die höchste Zeit.

Kitty Sanders, Eugene Wolodarsky, 2014

Übersetzung: Julia Shenson

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