Waffen disziplinieren den Menschen und die Nation …

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Ein exklusives Interview mit Konstantin Uljanow, genannt „Walde“, einem ukrainischen Messerkampf- und Fechtentrainer und Autor des Busches „Der Tempel“.

1Stell dich bitte für die Leser vor. Dein Name, Nickname, Wohnort…

Mein Name ist Konstantin „Walde“ Uljanow. Ich unterrichte den Messerkampf und das praktische Fechten (Verein „Fratia Fortis“ und Kurs „Ready 2 life“) in Kiew, wo ich geboren wurde und den größten Teil meines Lebens verbracht habe.

Erzähl uns ein wenig von deiner Arbeit. Du bist ein Trainer für den Messerkampf. Den meisten Lesern ist dieser Beruf völlig unbekannt und stark mythologisiert. Und wenn es möglich ist, gib uns ein wenig Statistik bezüglich der Frauen. Besteht bei den ukrainischen Frauen ein Interesse für den Messerkampf oder überhaupt für den Kampfsport? Gehen viele Frauen und Mädchen zu deinen Trainings?

Im Vergleich mit dem Boxen oder jedem anderen Kampfsport ist die Situation mit dem Messerkampf wirklich komplizierter. Es liegt daran, dass die Menschen, die z. B. boxen wollen, mehr oder weniger gleiche Vorstellungen davon haben, was man ihnen beibringen soll. Die Meinung über den Messerkampf wird dagegen durch Filme, eigene Fantasien und Küchengeschichten der Bekannten gebildet. Es führt dazu, dass jeder seine eigene Vorstellung vom Thema hat, die oft den Vorstellungen von den Anderen widerspricht.

Wenn man den Messerkampf mit den anderen Kampfsportarten vergleicht, ist der Anteil der Frauen da größer. Einige suchen sich eine dynamische Sportart, Andere interessieren sich für die Kultur des Fechtens in ihrer modernen Interpretation, und viele Frauen verstehen, dass sie in einer physischen Konfrontation mit einem Mann nur wenige Chancen haben, und wollen lernen, sich effektiv zu verteidigen. Und dann stellt man fest, dass der Messerkampf den Frauen die gleichen Möglichkeiten gibt, denn die Geschwindigkeit und das taktische Denken spielen dabei eine viel wichtigere Rolle als nur das Gewicht und die physische Kraft. Die Faktoren machen aus einer Frau eine gleichgestellte Teilnehmerin des Trainings.

Wie ist die Lage mit den Zivilwaffen in der Ukraine? Ist es für einen Bürger schwer, sich eine Schusswaffe zu besorgen?

Wenn wir über die Schusswaffen sprechen, dann ist es beinah utopisch. Um sich sogar eine traumatische Pistole zu besorgen, deren Nutzbarkeit für die Selbstverteidigung sehr fragwürdig ist, ist man praktisch gezwungen, ein Erlaubnis zu kaufen. Was natürlich gesetzwidrig ist. Die Regelung für die Jagdwaffen ermöglicht es nicht, sie zum Zweck der Selbstverteidigung zu benutzen. Und die letzten Ereignisse in Kiew haben dazu geführt, dass es noch schwieriger geworden ist, sogar ein Jagdgewehr zu kaufen.

Wie ist deine Meinung über die Zivilwaffen und ihre Legalisierung? Glaubst du, dass eine bewaffnete Nation verantwortlicher als eine unbewaffnete ist?

Ich mag Waffen und selbstverständlich wäre es mir lieber, wann ich sie frei kaufen könnte, obwohl ein guter Teleskopschlagstock mir für die Selbstverteidigung völlig ausreicht. Ob die Gesellschaft für die Zivilwaffen bereit ist, ist eine komplizierte Frage, weil unsere Gesellschaft sehr heterogen ist. Beispielsweise trainieren bei mir sehr unterschiedliche Menschen: von Leibwächtern bis zu Programmierern. Doch das sind Menschen, die bereits bestimmte Erfahrung und entsprechende Denkweise haben. Ihnen kann man schon morgen die Waffen erlauben. Sie haben das Wissen über das Messer, das viel öfter als Schusswaffen benutzt wird, und die benötigte Verantwortung bereits erworben.

Noch ein Beispiel. Ein Mensch legt ein Messer in seine Tasche mit der Absicht, es nur für die nicht-letale Selbstverteidigung zu benutzen. Das heißt, im Fall eines Angriffs beabsichtigt er, dem Angreifer nur an Armen oder Gesicht zu verletzen. Wer während des Trainings solche Situation durchgearbeitet hat, weiß sehr gut, wie schwer es ist, sich daran zu halten. Entweder „tötest“ du in einer Situation, wo du allein gegen zwei oder drei Angreifer bist, oder du wirst geschlagen. Nach solchem Training verlieren die Menschen ihre Illusionen und verstehen die wirkliche Bedeutung des Messers in einer Schlägerei.

Kommen wir aber zu den Schusswaffen zurück. Es gibt mehr als genug illegale Waffen. Und in der Zeit der sozialen Instabilität wird es noch mehr geben. Ich persönlich finde, dass es besser wäre, den Menschen die bewaffnete Selbstverteidigung zu ermöglichen. Aber dafür müssten sie dann entsprechende Fertigkeiten erwerben. Seltsamerweise ist die Meinung stark verbreitet, dass das Recht auf Zivilwaffen genauso funktioniert, wie der Verkauf von Fastfood an einer Haltestelle. Wer will, kann sich eine „zauberhafte“ Pistole kaufen und sie löst für ihn alle Probleme. Und ja, ich denke, dass die Waffen sowohl den Menschen, als auch die Nation insgesamt disziplinieren… Die Frage ist nur, welchen Preis die Nation für diese Disziplin bereit ist zu zahlen.

In deinen Ratschlägen hast du mehrmals die Notwendigkeit des genauen Verstehens davon erwähnt, was eine Waffe ist und wofür sie angewendet wird. Wenn du eine Möglichkeit hättest, deine Meinung über die Zivilwaffen und die damit verbundene Verantwortung einem größeren Auditorium zu äußern, was würdest du sagen? Deine „kurze Thesen zum Wesentlichen“?

Ich antworte mit einem Vergleich. Nehmen wir an, ein Mensch hat sich ein Auto gekauft, um ins Dorf, das 20 Kilometer von der Stadt liegt, und zur Arbeit zu fahren. Sogar für diese einfachen Aufgaben muss er die Straßenverkehrsordnung kennen, eine Vorstellung davon, wie ein Auto funktioniert, und einen Führerschein haben. Außerdem ist er nicht allein auf der Straße, es gibt andere Autofahrer und manchmal passieren Unfälle… Und darüber hinaus gibt es noch Fußgänger, Kinder und Alte, die oft gar nicht schauen, wohin sie gehen. Ein Autofahrer weiß das, weil er in einer Stadt mit Tausenden von Autos aufgewachsen ist. Hätte er diese Erfahrung nicht gehabt, dann wäre er bei Rot gefahren, hätte die Reifen nicht gewechselt und sich darüber beschwert, dass man im Wohngebiet nur langsam fahren darf.

Beeinflusst die Lage in der Ukraine deine Trainings? Besteht vielleicht eine Gefahr, dass das Waffengesetz verschärft wird?

Jetzt kommen andere Menschen zu den Trainings. Die Spannung in der Gesellschaft hat dazu geführt, dass immer mehr erwachsene Menschen – z. B. Familienväter – zu uns kommen, weil die vielfältige praktische Erfahrung bekommen wollen. Und umgekehrt: Diejenige, für die der Messerkampf ausschließlich Sport oder Unterhaltung war, werden immer weniger. Oft wollen die Männer mit ihren Frauen zusammen trainieren, weil ihnen ihrer Sicherheit und Fähigkeit, sich zu verteidigen, wichtig ist.

Die Logik ist hier sehr einfach. Willst du nicht, dass man dir die Nase bricht? Geh boxen oder treibe einen anderen Kampfsport. Willst du nicht, dass ein Dieb dich ersticht? Lerne den Messerkampf. Ein vernünftiger erwachsener Mensch versteht: Auch wenn die Lage im Land sich verschlechtert, wird die Wahrscheinlichkeit, der Gewalt in der Familie zum Opfer zu fallen, nicht größer. Die Wahrscheinlichkeit eines Raubüberfalls aber doch.

Die Gefahr der Gesetzesverschärfung besteht immer. Bei den Behörden ist die Position „Wir verbieten alles, dann passiert nichts“ immer noch stark vertreten. Als Folge nimmt man dem einfachen Menschen alle Überlebenschancen.

In China ist es problematisch, sogar ein Küchenmesser zu kaufen. In Großbritannien ist das Tragen jedes Messers, das größer als ein Spielzeug ist, strafbar und strickt verboten. Inwiefern ist es deiner Meinung nach effektiv? Können die Antiwaffengesetze die Kriminalität wirklich stoppen? Welche Maßnahmen wären deiner Meinung nach effektiv?

Alle gesetzliche Regelungen und Beschränkungen betreffen nur die gesetzestreuen Bürger. Einem Verbrecher ist es absolut egal, ob sein Messer legal ist. Er hat ja sowieso vor, es zu einem gesetzwidrigen Zweck – vom Raubüberfall bis zum Mord – zu verwenden.

Auf jeden Fall müssen wir mit den Waffen arbeiten, die uns legal zur Verfügung stehen. Es ist viel sinnvoller mit einem taktischen Kugelschreiber zu trainieren, als davon zu träumen, eine Machete tragen zu dürfen.

Wie ist deine Einstellung zu den Kampfhunden? In vielen Ländern sind sie entweder verboten oder sehr schwer zu beschaffen. Was denkst du an die „gefährlichen“ Hunderassen?

Ein Hund, egal ein Kampfhund oder nicht, braucht Disziplin, Training und Liebe. Genau in dieser Reihenfolge. Ich glaube, hier können wir auch das Beispiel mit dem Auto benutzen. Ein Besitzer eines Hundes trägt die gleiche Verantwortung wie ein Autofahrer, oder vielleicht eine größere, denn es geht um ein Lebewesen. Nach der Meinung meines bekannten Kinologen ist ein Kampfhund, der gegenüber den Menschen aggressiv ist, ein genetischer Fehler, weil diese Hunde für den Kampf mit anderen Hunden und nicht mit den Menschen gezüchtet werden. Übrigens, sie gefallen mir sehr, ich bin praktisch ein Fan von ihnen.

Die Frage ist wahrscheinlich ein wenig inkorrekt, aber als Messerfan muss ich sie stellen. Nenne mir bitte dein persönliches Top-5 der Messerfirmen.

Ehrlich gesagt, für mich spielt jetzt nur die praktische Seite eine Rolle. Ich habe Jahre lang mit Messern gearbeitet und die Romantik ist mittlerweile weg. Für die Wanderungen bevorzuge ich Messer von der Firma „Mora“, für EDC – Ontario. Bowiemesser gefallen mir sehr, z. B. Cold Steel Laredo Bowie. Und rein ästhetisch mag ich Ira Domini Nerevar.

Vor kurzem ist dein Buch veröffentlicht worden. Planst du, ein Buch über den Messerkampf und seine praktischen Aspekte zu schreiben?

Für ein großes, seriöses Buch habe ich schon sehr viel Stoff, aber das sind noch meistens Notizen. Sie lesbar zu machen, erfordert viel Arbeit, weil ich alle Aspekte des Themas umfassen möchte. Das ist Arbeit für Jahre. Übrigens, mein Kollege Alexander Worobej hat ein vollständiges Lehrbuch veröffentlicht, in dem er sich mit verschieden Aspekten des Messerkampfes und des praktischen Fechtens beschäftigt.

Zum Schluss: Was würdest du den Lesern sagen?

Praktik ist das einzige Kriterium der Wahrheit.

Egal, was sie treiben: Kampfsport, Fechten oder Sportschießen. Man soll das möglichst nah an der Realität und möglichst praxisorientiert machen, damit eine Kampfdisziplin nicht zu einer weiteren realitätsfernen Kunst wird.

Kitty Sanders, 2014

Übersetzung: Julia Shenson

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