Kontra-Hegemonie

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Bei der Analyse der Gründe, warum linke, faschistische, populistische und andere postsowjetische und antiwestliche Diktatoren an die Macht kamen, merkt man mühelos, dass einer davon die Abwesenheit eines klaren rechten (neoliberalen, neokonservativen oder libertären) Entwicklungskonzepts des Landes. Sehen Sie selbst: Argentinien, Venezuela, Russland, Frankreich, Brasilien – das sind Länder, wo die Linken siegten. Die USA, Chile, Singapur sind Länder, wo die Linken entweder überhaupt nicht siegen können, oder nur Pyrrhussiege erreichen, und in der Zeit ihrer Regierung ändert sich fast nichts.

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Was vereinigt die USA, Chile und Singapur außer dem freien Markt, dem freien Unternehmertum, der Multikulturalität und dem hohen Lebensstandard? Eine langjährige, feststehende und sich ständig erneuernde rechts-kapitalistische Doktrin und nationale Strategie. Die amerikanische rechte Tradition braucht keine Erklärung, vermute ich, denn die USA sind die Heimat des modernen Kapitalismus. Das chilenische Modell, dessen Basis lande vor Allende entstand und sich unter Pinochets Regierung endgültig entwickelte, funktioniert bis heute ausgezeichnet, weil der Kapitalismus in Chile „lebendig“ und auf intellektueller Ebene ehrlich ist. Wenn wir die wirtschaftlich-politischen Konzepte, die von verschiedenen Gruppierungen im Laufe der Entwicklung des modernen chilenischen Staates vertreten wurden, können wir sehen, wie hoch das Niveau der „ideologischen Konkurrenz“ war. Diese Konkurrenz führte schließlich zur Etablierung eines stabilen Modells des chilenischen Kapitalismus. Die Entwicklungsstrategie von Singapur wurde von einem hervorragenden Menschen Lee Kuan Yew und seinem Team auf harter Basis des freien Marktes, der puren Konkurrenz und der Integration in die moderne Welt erarbeitet. Das Resultat kann jeder Leser selbst sehen, indem er etwas über das Land liest oder es besucht.

Lässt man aber ein Land für lange Zeit ohne aktive rechte Kultur, werden die linken Bewegungen selbstverständlich stärker. Zuerst unwesentlich, dann sehr bemerkbar. Die Wiederwahlen von Barak Obama in den USA und von Michelle Bachelet in Chile sind Beispiele dafür, wie sich in den ohne wahre rechte Werte (Rechte des Individuums, freier Markt, geringe Staatskontrolle) „verlassenen“ Ländern die linken Ideen verstärken. Trotzdem bleiben die USA und Chile Leiter des rechten Konzepts: die USA – in der Welt und Chile – in der Region.

Argentinien, Venezuela, Russland, Frankreich und Brasilien vereinigt die Abwesenheit einer politischen und sozialen Zugrundelegung des Kapitalismus und der bürgerlichen Freiheiten. In die Kulturen dieser Länder wurde der moralische Aspekt des Kapitalismus und des Konzepts individueller Freiheit nicht integriert, oder er wurde infolge einer ernsten sozial-kulturellen Arbeit der linken Kräfte ausgemerzt. In der Regel machen die Rechten (die Neokonservativen, die Libertären und die Liberalen) nichts Derartiges. Unsere Prioritäten sind Business, Realpolitik, Bürgerrechte und Wahlrecht. Bedauerlicherweise ist es nicht genug. Die Linken verstanden es schon längst. Bereits in der 20er Jahren entwickelte italienischer Kommunist und bedeutender Soziologe Antonio Gramci den Konzept der „kulturellen Hegemonie“, die später zur wirtschaftlichen Hegemonie wird. Kurz gefasst: Man muss eine anziehende Ideologie ausarbeiten, um sich die Wirtschaft zu unterstellen.

Es gibt im Großen und Ganzen zwei Mechanismen davon, wie die Linken zur Macht kommen. Der Erste: durch brutale Kraft und Gewalt (Russische Revolution, Kubanischen Revolution, Peruanischer Putsch). Der Zweite ist informativ-kulturell. Jemand, z. B. Hugo Chavez, versucht, einen militärischen Putsch zu organisieren. Die Regierung unterdrückt ihn und das Gericht verurteilt Hugo für eine Haftstrafe. Zwei Jahre später kommt er wegen einer Amnestie frei, während die Geschäfts- und die rechten Kreise schweigen und aus irgendeinem Grund das Ganze als unwichtig betrachten. 1998 ergreift Chavez die Macht dank der Propaganda, die mit kubanischem Geld bezahlt wird. Danach senkt er Venezuela, das einst von der Ersten Welt einen Schritt entfernt war, auf das afrikanische Niveau. Zur Zeit seines Todes wurde das Land zu einem failed state.

Die Methoden eines militärischen Putsches sind heutzutage sehr ineffektiv. Deswegen verwenden die Linken Propaganda und kulturelle Hegemonie. Sie können nicht erklären, wie sie „den Wohlstand für alle“ oder „eine Steigerung des Bildungsniveau von 60% auf 100%“ erreichen wollen. Es ist unmöglich, weil solche „Programme“ einfach nicht realisierbar sind, sie sind rein populistisch. Den Lebensstandard in fünf Jahren um zwei-drei Mal zu erhöhen, ist ausschließlich durch ein Wunder möglich. Die linken Populisten verstehen es und versuchen, alle „unbequemen“ Fragen aus dem Weg zu schaffen, indem sie die Fragenden des Antipatriotismus, der Arbeit für die USA und des mangelnden Glaubens an das Volk beschuldigen. Zuerst stellen sie die Presse unter ihre Kontrolle, um die richtige Stimmung unter der Bevölkerung zu sichern. Alle Populisten tun so, ohne Ausnahmen. Ich kann viele mehr oder weniger brutale linke, faschistische und populistische Diktatoren nennen, die in der ersten Reihe die Meinungsfreiheit ausrotteten. Velasco Alvarado (Peru) wies massenhaft die Redakteure und die Journalisten der rechten Medien aus und enteignete ihre Verlage. Cristina Kirchner (Argentinien) und ihr Mann Nestor, der vor ihr das Land regiert hatte, beseitigten die Meinungsfreiheit dadurch, dass sie die unabhängigen Gerichte liquidierten und dann die unerwünschten Medien durch gesteuerte Gerichtsverfahren schlossen.Wladimir Putin (Russland) begann mit der Vernichtung des größten unabhängigen Medienunternehmen Russlands (Media-Most) und zwang seinen Gründer Wladimir Gusinski, das Land zu verlassen. Bereits erwähnter Hugo Chavez liquidierte alle unabhängigen Medien in Venezuela, das Gleiche tat sein bolivianischer „Kollege“ Evo Morales.

Die Meinungsfreiheit zu verbieten und die Medien durch kontrolliertes Gerichtsverfahren schließen zu lassen, ist nicht unsere Methode. Wir, die Rechten, treten für die individuellen Freiheiten , den offenen Markt, das unabhängige Gericht und eine geringere Staatskontrolle ein. Wir lehnen die gesetzwidrigen Kampfmethoden ab. Es gibt uns die Kraft, die moralische Überlegenheit und das Recht, sogar das Privileg, auch in der Politik ehrliche Menschen zu bleiben. Jedoch müssen die Rechten immer wieder alles verlieren, nur weil ein bedeutendes Prozent der Bevölkerung schöne Parolen hören will. Ich verstehe nicht, warum wir jedes Mal nur deswegen aus einem Land fliehen müssen, weil der nächste Kretin, an dessen Parolen nur ein Schwachsinniger glauben kann, an die Macht kommt. Wann haben Sie zum letzten Mal eine Massenflucht der Linken aus einem Land gesehen, wo die Rechten an die Macht kamen? Vor meinen Augen geschahen zwei ernste und umstrittene Präzedenzfälle der Entmachtung der linken Präsidenten und ihrer Ersetzung durch rechte „Krisenmanager“. Ich meine die Ereignisse von 2009 in Honduras und die Amtsenthebung des paraguayischen Präsidenten Fernando Lugo 2012. Ich sah keine Massenrepressionen, kein Verbot der linken Medien, keine gerichtlichen Auseinandersetzungen mit den politischen Gegnern. Ganz im Gegenteil sah ich, dass die linken Medien weiterarbeiteten, dass der Neffe des Stellvertreters vom honduranischen Präsidenten Micheletti „als Mahnung“ ermordet wurde und dass es keine Flucht von Kommunisten aus den Ländern gab. So war es aus dem Grund, weil die Rechten die Meinungs- und die Redefreiheiten der Anderen nicht wegnehmen und auch weil viele Rechte ernsthaft glauben, dass die wirklichen Taten viel wichtiger als ihre Darstellung sind. So ist es aber nicht. Von der Perspektive des politischen, kulturellen und sozialen Einflusses ist die Darstellung der guten Taten genauso wichtig wie ihre Realisierung. Ich hoffe, die Leser entschuldigen die Menge der Beispiele aus der lateinamerikanischen Politik, doch ich muss noch einen interessanten Präzedenzfall vorbringen. Chiles Ex-Präsident Sebastian Piñera, der erste rechte Präsident seit Pinochet, war eindeutig einer der erfolgreichsten Leiter der Landes. Während seiner Regierungszeit ist Vieles passiert: die Weltfinanzkrise, der schreckliche Erdbeben, der einige Städte zerstörte und vielen Chilenen das Leben kostete, und 2010 wurden die chilenischen Bergarbeiter durch einen Unfall unter der Erde eingemauert. Die Situation war nicht einfach. Jedoch wuchs die Wirtschaft stabil, der Lebensstandard war hoch, eine zusätzliche Computerisierung der Wirtschaft und die Liberalisierung das Bankwesens wurden durchgeführt, die Infrastruktur funktionierte wie eine Uhr, die Bergarbeiter wurden gerettet und die Folgen des Erdbebens innerhalb weniger Monate beseitigt. Aber Piñera ist nicht besonders populär im Land. Warum? Weil er kein Populist, sonder ein Geschäftsmann ist. Er berücksichtigte die Notwendigkeit einer guten PR und der moralisch-philosophische Begründung des Kapitalismus nicht. Als Resultat wählte das Volk nach ihm nicht Evelyn Matthei, die Piñeras Kurs fortsetzen wollte, sondern Michelle Bachelet, die zum zweiten Mal kandidierte und durch ihre erstaunlich leere Politik bekannt wurde. Der Unterschied zwischen Bachelet und Matthei besteht darin, dass Bachelet die linke Rhetorik und sehr viel PR benutzt, während die Rechte Matthei eigene Meinung nicht verbirgt und sie sehr direkt verteidigt, sogar wenn es zu einer Auseinandersetzung mit eigener Partei führt.

Der riesige Fehler der Rechten ist die Verzicht, eigene Ideen zu popularisieren und moralisch zu begründen. Es wäre eine Art „rechter Aufklärung“ als Gegensatz zur linken Aufklärung, deren Bestrebung ist, alles zu enteignen, zu teilen und beim Teilen den größten Teil in eigen Tasche zu legen. Das Komische ist in dieser Situation die Tatsache, dass jeder Geschäftsmann die Notwendigkeit der Werbung versteht. Jeder normaler Unternehmer investiert viel Geld in sie und versucht, die Information über seine Ware möglichst weit zu verbreiten. Doch aus irgendeinem Grund wird der gleiche Geschäftsmann zu einem naiven Kind, sobald es zum Thema der sozialen Struktur und der Gesellschaft kommt, in der er arbeiten muss. Er gleicht dann einem fleißigen Studenten, der nicht um sich herum bemerkt und nur seine Lehrbücher liest. Man schmeißt ihn aus dem Studentenwohnheim raus, er lebt auf der Straße, seiner Universität wurde sie Lizenz entzogen, seine Freunde studieren schon längst woanders, aber er lernt und kommt regelmäßig zum Unterricht, bis er eines Tages von der Sicherheitsleuten aufgehalten wird, die ihm sagen: „Wohin denn? Hier gibt’s keine Uni.“ Er studierte wirklich gut, aber er verlor Zeit, Geld und Gesundheit. Wofür? Jeder vernünftiger Mensch wird sagen: Der Student hätte sich nicht nur mit seinen Büchern, sonder auch mit dem gesellschaftlichen Leben der Universität beschäftigen sollen. Warum fliehen dann die Geschäftsleute, die das leben in den Ländern bewirken konnten, aus Venezuela, Bolivien, Russland oder Frankreich? Wo bleibt die Vernunft? Wäre es nicht besser gewesen, ein wenig Ressourcen in die rechten Medien zu investieren? In die Strukturen, die sich mit Forschungen, der Förderung des kapitalistischen Modells, der Aufklärung der jungen Menschen über den freien Markt und die individuellen Freiheiten befassen. Denn die Vernachlässigung des soziokulturellen Bereichs und die unnötige Sparsamkeit beim gesellschaftlichen Dialog führten zu den riesigen Verlusten, die das Unternehmertum infolge der Chavez’ Nationalisierungen, der wahnsinnigen Steuerpolitik Hollands oder der kriminell-gewaltsamen Politik von Putin erlitt. Das Business hätte in Venezuela oder Frankreich sehr Vieles machen können. In Russland kontrollierten „die Oligarchen“ im Jahre 2000 fast alles. Die Sparsamkeit bei PR und der Erschaffung „einer rechten Gesellschaftsschicht“ kostete ihnen die vollständige Verlust ihrer Firmen. Waren solche Ersparnisse es wirklich wert? Das glaube ich nicht. Und mit jeder neuen populistischen Machtübernahme sage ich mir selbst: „Jetzt werden sie endlich weitblickender“ — doch ich irre mich jedes Mal. Hervorragende Menschen, die Korporationen und Business-Imperien gründeten, erweisen sich als hilflos gegenüber dem schönen Quatsch. Diejenigen, die in der Welt des freien Marktes und der ständigen Konkurrenz erfolgreich waren, können die Schönredner mit paradoxem Denken nicht besiegen. Was ich damit sagen will, meine Damen und Herren: Wenn Sie selbst nicht können oder nicht wollen, sich der linken kulturellen Hegemonie zu widersetzen, wenden Sie sich dann vielleicht an diejenigen, die dazu in der Lage sind?

Kitty Sanders 2014

Übersetzung: Julia Shenson

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