Kontra-Hegemonie 2: die Rechten und die Medien

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powerEiner der größten Fehler der heutigen Rechten ist der Verzicht auf die öffentliche Tätigkeit und die Förderung eigener Ideen. „Wer die Medien beherrscht, beherrscht auch die gesellschaftliche Situation“ — so lautet der grundlegende Prinzip der modernen Politik und er wird von den Rechten gänzlich ignoriert. Um zu gewinnen, müssen die rechten Kräfte, die selten billige populistische Methoden benutzen, allerdings nicht nur eigene Medien haben, sondern den gesamten Medienbereich dominieren.

Die Rechten sind Rationalisten und Realisten, deren politischen und wirtschaftlichen Ideen für sehr viele Menschen unverständlich und langweilig sind, denn sehr viele Menschen wollen schöne Parolen und laute Versprechungen wie „Glück für alle in 5 Jahren!“ hören. Genau die Menschen, irrationale Wähler, die keine Statistik, Ökonomie, Soziologie und andere Wissenschaften mögen, wählen die Linken, deren Rhetorik auf ungeheuerlich dilettantischen populistischen Themen basiert. Was auch immer ein rechter Politiker täte, würde er langweilig und „nicht richtig“ im Vergleich zu einem Linken aussehen, der die Rechten und die Korporationen an allen Problemen der Wähler schuldig macht und davon erzähl, dass die Menschheit ohne den Kapitalismus schon längst ins All geflogen und unsterblich geworden wäre – und zwar kostenlos. Selbstverständlich sind die Worte eines linken Populisten unrealistisch. Jedoch gefällt es vielen Wählern (besonders von der Jugend und von nicht sehr erfolgreichen Gesellschaftsschichten), das zu hören, dass jemand anders die Schuld an ihren Misserfolgen und ihrer mangelnden Anerkennung trägt. Dass jemand „die jungen Genies“ und „die einfachen Arbeitslosen“ ganz bewusst fern vom angeblich verdienten Wohlstand halte.

Deswegen sollen die Rechten aktiv und zügig die Menschen aufklären und die Ideen des Individualismus, der persönlichen Freiheiten und der Marktwirtschaft verbreiten. Wenn der Anteil der Anhänger von populistischen Ideologien ein bestimmtes Niveau in einer Gesellschaft erreicht, kann es sowohl für ein ganzes Land als auch für manche Bürger sehr traurig enden. Um das zu vermeiden, müssen die Rechten nicht nur im Medienbereich präsent sein, sondern ihn dominieren. Besonders wenn die Macht in einem Land sich bereits in den Händen der Populisten befindet, die normalerweise nicht zögern, ihre Gegner mundtot zu machen. Populistische Regierungen benutzen oft die Staatsgelder oder die Mitteln der internationalen Organisationen, um „eigene“ Medien zu unterstützen. In Anbetracht totaler Gehirnwäsche durch die sozialistischen und linken Ideologien ist es für die Konservativen und die Rechtsliberalen besonders wichtig, den Menschen mithilfe der Medien die Wahrheit zu berichten und die Lügen und die Faktenverdrehung zu entlarven.

Nachdem ich mit den rechten Politikern aus verschiedenen Ländern – von Russland bis Argentinien – zu tun hatte, stieß ich jedoch auf Unverständnis und Ablehnung der Idee, dass die Rechten vermögen, den Medienbereich zu dominieren. Im Großen und Ganzen argumentieren sie ihre Ablehnung der Arbeit mit den Medien durch folgende Punkte:

1. Ich bin ein Geschäftsmann und ein Politiker, ich mag nicht plaudern, und die Menschen sollen lieber die Resultate meiner Tätigkeit bewerten.

2. Wenn die Rechten in die Medien eindringen, wird es eine unakzeptable Aggression sein. Dominanz im Medienbereich würde die Unterdrückung der Opposition bedeuten, was gegen die Prinzipien der freien Diskussion wäre. Die Menschen würden uns für ideologisch aggressiv halten und die linke Propaganda würde diesen Eindruck verschärfen.

3. Die Medien sind für Quatschköpfe. Sie vermitteln die Informationen sehr oberflächlich. Ihre Rolle wird überschätzt und sie beeinflussen die politische Situation im Land nicht. Wenn ein Konservativer etwas zu sagen hat, schreibt er ein Buch oder einen wissenschaftlichen Artikel.

4. Wenn Menschen die Linken wählen, heißt das, dass sie uns einfach nicht wollen. Man darf doch nicht glauben, dass die Mehrheit der Bevölkerung unzureichend informiert ist.

Ich möchte mich mit jedem Argument einzeln auseinanderzusetzen.

„Ich bin ein Geschäftsmann und ein Politiker, ich mag nicht plaudern, und die Menschen sollen lieber die Resultate meiner Tätigkeit bewerten.“

Der Mensch kann nur das mehr oder weniger objektiv bewerten, wovon er Ahnung hat. Tätigkeit eines Politikers zu bewerten, der noch mit vielen anderen Politikern zusammenarbeitet, ist eine fast unlösbare Aufgabe für einen Außenseiter. Mann muss dann jeden Schritt dieses Politikers beobachten, seine Aktivitäten und seine Reden analysieren usw.. Kein vernünftiger Mensch wird sich damit beschäftigen, wenn er kein Journalist, kein PR-Agent oder kein verrückter Fan ist.

Seien wir ehrlich. Meisten Menschen stellen sich die Politik sehr vereinfacht vor. Um alle Details und Besonderheiten der Innen- und Außenpolitik und der Wirtschaftsinstitutionen zu verstehen, braucht man sehr viel Freizeit, viele freie Mittel und ein großes Interesse für Politologie und nationale Wirtschaft. In keiner Gesellschaft gibt es viele solche Menschen, die Anderen bevorzugen, die Information über die Politik aus der Presse zu bekommen. Wenn die Presse im Land überwiegend links ist, erfahren die Menschen nur, dass die Rechten die guten Linken daran hindern, allen viel Geld und kostenlose Bildung zu schenken. Am Anfang sind die Menschen gegenüber dem Populismus skeptisch, doch mit der Zeit werden die Aussagen wie „Kapitalisten und die USA sind immer schuldig“ als normal betrachtet. Zuerst unter der jungen Generation, die noch keine eigene Lebenserfahrung hat, dann unter den Arbeitern – dank den Gewerkschaftsleitern und den Propagandisten. Wenn der Prozess ungehindert weitergeht, werden die Rechten aus der Politik ausgeschlossen. Die Geschäftsleute, die meinten, man werde sie nach ihren Taten beurteilen, stoßen auf allgemeinen Hass, Enteignungen, Nationalisierungen, Festnahmen und manchmal – wie im Fall Russlands – auf Morde. Wenn die Politiker und die Geschäftsleute „aufwachen“, ist es oft zu spät. Die linke Regierung sprach bereits ihren Urteil und das Volk, das durch die linke Propaganda „geladen“ wurde, fordert einen kurzen Prozess und dann alles zu enteignen und zu teilen. Derjenige Teil des Volkes, der durch die Propaganda nicht beeinflusst wurde, wartet normalerweise, wie das Ganze zu Ende geht.

Das ist der Preis der hochgesinnten Rhetorik darüber, dass man sich oberhalb des Propagandaniveaus befinde.

„Wenn die Rechten in die Medien eindringen, wird es eine unakzeptable Aggression sein. Dominanz im Medienbereich würde die Unterdrückung der Opposition bedeuten, was gegen die Prinzipien der freien Diskussion wäre. Die Menschen würden uns für ideologisch aggressiv halten und die linke Propaganda würde diesen Eindruck verschärfen.“

Das ist einer der seltsamsten Fehler. Besonders verwirrend ist es, solche Behauptungen von den Menschen zu hören, die die Konkurrenz als eine der wichtigsten treibenden Kräfte moderner Gesellschaft sehen. Der Medienbereich ist zwar eigenartiger, aber er ist auch ein Markt, der im Großen und Ganzen ebenfalls nach objektiven wirtschaftlichen und soziologischen Gesetzen funktioniert. Die Konkurrenz ist dabei ein gesundes Phänomen und das Streben, den Konkurrenten vom markt zu verdrängen, ist völlig normal.

Populistische Propaganda würde die Konservativen und die Rechtsliberalen als Monster, Aggressoren und sogar Putschisten darstellen, auch wenn sie für immer und ewig zu Hause blieben. Populisten brauchen einen Feind, um die Menschen von ihrer eigenen erfolglosen Politik abzulenken, denn eine erfolgreiche Politik zu betreiben, sind die Populisten einfach nicht in der Lage. Wenn ein linkes oder faschistisches Regime alle wirklichen rechten Gegner vertreibt oder vernichtet, fängt es an, „Feinde des Volkes“ auszudenken und sie zu „bekämpfen“. Ließ der Hass für „Feinde, Zionisten und Amerikaner“ nach, nachdem unter Chavez alle normalen Geschäftsleute und Juden aus Venezuela vertrieben und die Oppositionellen verhaftet worden waren? Nicht im Geringsten. Maduro beschuldigt für alle Probleme immer noch die mythischen Rechten, Zionisten und Amerikaner, die es in Venezuela einfach nicht mehr gibt und die Maduro auf keiner Weise daran hindern können, seine wahnsinnige Politik zu betreiben.

Das Problem ist, dass Maduro überhaupt nicht an der Macht sein darf, auch wenn er es sich vom ganzen Herzen wünscht. Denn Maduros Regierung gliecht der Auswirkung eines Krieges. Wirtschaftlicher Zusammenbruch, allgemeine Bildungslosigkeit (obwohl die Propagandisten anders behaupten), vernichtete bürgerliche Gesellschaft, ruinierter internationaler Ruf, Armut und Elend. Damit Populisten wie Maduro an die Macht nicht kommen, braucht man starke rechte Medien, die den Menschen die Wahrheit berichten. Die aggressiven Antworten der Populisten gibt es keinen Sinn zu berücksichtigen. Sie mögen sagen, was sie willen, denn zu etwas Anderen sind sie unfähig.

„Die Medien sind für Quatschköpfe. Sie vermitteln die Informationen sehr oberflächlich. Ihre Rolle wird überschätzt und sie beeinflussen die politische Situation im Land nicht. Wenn ein Konservativer etwas zu sagen hat, schreibt er ein Buch oder einen wissenschaftlichen Artikel.“ 

Der Sieg der Kommunisten wurde 1996 in Russland dank der guten Zusammenarbeit der liberal gesinnten Geschäftsleute und der rechten Medien verhindert. Die Medien, die den Rechten und den Liberalen gehörten, organisierten eine PR-Kampagne zur Elzins Unterstützung. Viel antikommunistische Presse wurde gedruckt und es gab viel Propaganda im Fernsehen.

Doch derartige Aktivität der Rechten verursachte große Empörung und Proteste unter den Linken auf der ganzen Welt. Der Grund war einfach: Die Rechten wagten gegen die Linken aufzutreten, statt alles kampflos aufzugeben. Genau hier wird der Unterschied zwischen dem Populismus und der rechten Auffassung der Bürgerrechten und Freiheiten deutlich. Für die Rechten ist es ein Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit, wenn man versucht, politische Gegner mithilfe der Staatsressourcen zum Schweigen zu bringen. Für die Populisten ist jeder ernsthafte Widerspruch und jeder Protest gegen ihre Pläne ein Verbrechen. Deswegen als Putin in Russland an die Macht kam, „neutralisierte“ er zuerst die Geschäftsleute, die die Medien beeinflussen konnten, wie Boris Beresowski und Wladimir Gusinski.

Wenn man die Situation allgemeiner betrachtet, wird es deutlich, dass mehr oder weniger kapitalistische und rationale Gesellschaften dort existieren, wo die Rechten in den Medien stark repräsentiert sind. In den USA gibt es FoxNews und eine große Menge konservativer Presse. Ähnlich ist die Situation in Großbritannien und Kanada. Chilenischer „Wirtschaftswunder“ resultierte zum großen Teil aus der Dominanz der rechten Technokraten in den Medien. In Singapur und Südkorea sind die kapitalistischen, die konservativen und die rechtsliberalen Ideen ebenfalls stark in den Medien vertreten.

Die Presse erfüllt eine wichtige Aufgabe. Sie „bearbeitet“ große Informationsmengen, die ein durchschnittlicher Bürger selbständig nicht überprüfen kann oder will, und gibt sie in verkürzter Form wieder. Ein Buch, eine Zeitschrift oder eine Zeitung kann man damit nicht vergleichen. Denn wir leben in der Zeit der allgemeinen Eile. Die zeit ist knapp und nicht jeder ist bereit, sie für ein Buch zu spenden, das sich möglicherweise als langweilig erweisen würde. Die Massenmedien lösen dieses Problem: Sie berichten dem Leser bzw. dem Zuschauer vom Geschehen und stellen ihm die Politiker vor. Sie spielen eine vermittelnde Rolle zwischen einem Politiker und den Wählern. Wenn keiner die rechten Politiker und das Unternehmertum vertreten würde, würden sie mit der Zeit ihre Wähler verlieren und vom politischen Feld verdrängt werden.

„Wenn Menschen die Linken wählen, heißt das, dass sie uns einfach nicht wollen. Man darf doch nicht glauben, dass die Mehrheit der Bevölkerung unzureichend informiert ist.“

Dieser Fehler ist ein Resultat der so genannten Ghettoisierung des Denkens. In der Regel schließen sich die Rechten (Technokraten, Konservative, Rechtsliberale und Libertäre) innerhalb ihres Mikrosoziums. Einerseits neigen diese Menschen zum Organisieren politischer Klubs, anderseits betreiben relativ Viele eine wissenschaftliche Tätigkeit und wissenschaftliche Gruppen sind von Natur aus geschlossen, was intellektuell und professionell bedingt ist. Die extremste Form der politischen Selbstorganisation der Rechten ist chilenischer „Gremialismo“, laut dessen die ganze politische Aktivität innerhalb der geschlossenen Klubs stattfinden sollte. So ein spezifisches „klubartiges“ System hat seine negative Seite: Da entsteht ein privilegiertes intellektuelles Ghetto. In einer Gruppe, der Mitglieder sich intellektuell und ideologisch ungefähr auf der gleichen Ebene befinden, entsteht eine erhöhte Empathie. Die Mitglieder fangen an, einander sehr gut und schnell zu verstehen. Viele rechte Politiker übertragen diese Empathie auf die ganze Gesellschaft und vermuten, dass jede andere Person genauso gut informiert ist, wie ein Mitglied eines politischen Klubs.

Daraus resultiert eine absurde Situation: Die rechten Politiker wollen für die Wähler „offensichtliche Fakten“ nicht „zerkauen“ und die Medien unterstützen, die ihre Position erklären und verbreiten könnten. Als Folge bezeichnen viele Menschen die Rechten als hochnäsige Eliteristen und wählen „demokratischere“ Zentristen oder überhaupt die Linken.

Die Tatsache, dass die Menschen für die Rechten ihre Stimmen nicht geben, kann nur einen Grund haben: Die Rechten haben den Wählern ihre Ideen schlecht erklärt. Alle Rechtfertigungen sind nichts mehr als feige Ausreden im Sinne von „Es ist nicht unsere Schuld“. Die Massenmedien sind das Instrument, mit dem man Ideen an die Gesellschaft vermittelt. Sie können nicht durch ein Account bei Facebook oder Twitter ersetzt werden. Der Verzicht auf die Presse, die unsere Interessen vertritt, gleicht einem politischen Selbstmord.

Kitty Sanders, 2014

Übersetzung: Julia Shenson

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